Glossar
Glossar der Angst-Anerkennungs-Theorie
Die zentralen Begriffe des Modells, kurz erklärt – von Wertung und Anerkennung über die beiden Grundkreisläufe bis zur inneren Referenz. Ausführlich beschrieben sind sie auf der Seite zur Angst-Anerkennungs-Theorie und in der vollständigen Kausalkette.
- Angst
- In der Angst-Anerkennungs-Theorie ist Angst nicht nur Panik oder bewusste Furcht, sondern ein inneres Alarmsignal. Sie kann sehr fein beginnen, noch bevor ein Mensch klar denkt. Angst fragt nicht zuerst nach Wahrheit, sondern nach Sicherheit – und wenn Sicherheit gelernterweise von Anerkennung abhängt, kann sich Ablehnung existenziell anfühlen.
- Wertung
- Die innere Einordnung von Erleben, Verhalten und Person in gut oder schlecht, richtig oder falsch. Wertung schafft Orientierung, verknüpft sich aber früh mit dem Selbstwert: Das Kind beginnt, sein Verhalten mit seinem Wert zu verwechseln, sodass aus „Ich habe etwas Unpassendes getan“ ein „Ich bin nicht richtig“ werden kann.
- Anerkennung
- Bestätigung von aussen, die sich oft wie Liebe, Sicherheit oder Wert anfühlt. Das Bedürfnis nach Anerkennung ist nicht das Problem – kritisch wird es, wenn Anerkennung zur Bedingung für den eigenen Wert wird. Gemeint ist hier nicht ein gesellschaftliches Anerkennungsverhältnis, sondern die innere Bedeutung von Anerkennung für Selbstwert und Sicherheit.
- Ersetzte Wertungsliebe
- Ein Eigenbegriff der Angst-Anerkennungs-Theorie für die Verwechslung von Anerkennung mit Liebe. Anerkennung kann kurzfristig wärmen, bestätigen und beruhigen, aber sie verankert den Menschen nicht dauerhaft in sich selbst. Bleibt die Anerkennung aus, wird wieder Angst spürbar.
- Konditioniertes Ich
- Die durch Erfahrungen, Wertungen, Erwartungen, Normen und Anpassung geprägte Schutz- und Anpassungsstruktur. Sie ist nicht falsch, sondern versucht, Anerkennung zu sichern und Ablehnung zu vermeiden – orientiert sich dabei aber an der Reaktion von aussen statt an der eigenen inneren Wahrheit.
- Unkonditionierter Selbstkern
- Der ursprüngliche innere Kern: das Sein, Würde, Selbstkontakt und lebendige Wahrnehmung – die Möglichkeit, sich selbst ohne äussere Bewertung zu spüren. Er bildet den Gegenpol zum konditionierten Ich.
- Angst-Anerkennungs-Kreislauf (AAK)
- Eine der beiden Grundbewegungen der Theorie: Der Mensch versucht, seine Angst durch Anerkennung zu beruhigen – über Leistung, Anpassung, Kontrolle, Überzeugen oder Bestätigung. Nach aussen kann das stark wirken, innerlich bleibt die Abhängigkeit, weil der Wert aus Wirkung statt aus dem eigenen Sein bezogen wird.
- Angst-Scham-Schuld-Kreislauf (ASK)
- Die zweite Grundbewegung: Die Wertung richtet sich gegen die eigene Person. Der Mensch fühlt sich falsch, schuldig oder beschämt, zieht sich zurück oder kämpft über Selbstkritik um Kontrolle. AAK und ASK haben denselben Ursprung – Angst und Wertung – und können wechseln oder sich mischen.
- Schuldfrage
- Die oft unbewusste Suche nach einem Schuldigen, wenn etwas unangenehm wird – im Aussen („der andere ist schuld“) oder innen („ich bin falsch“). Sie gibt kurzfristig Orientierung, hält aber in der Wertung gefangen. Die Theorie verschiebt den Blick von Schuld, die verurteilt, zu Verantwortung, die verstehen will.
- Innere Referenz
- Die Fähigkeit, Erleben und eigenen Wert von innen zu spüren, statt sie von äusserer Bewertung abhängig zu machen – etwa: „Ich habe ein Gefühl, aber ich bin nicht nur dieses Gefühl.“ Die Rückkehr zur inneren Referenz ist in der Theorie der Beginn von Bewusstwerdung.
